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Quelle: de.wikipedia.org/wiki/Wolf# CC BY-SA 2.5
Quelle: de.wikipedia.org/wiki/Wolf# CC BY-SA 2.5
Der Wolf und die Auswirkungen auf unsere RegionBericht zur CDU Veranstaltung vom 8.Mai (Altenbruch) mit MdL Helmut Dammann-Tamke Von Uwe Junge14. Mai 2017 Börde CDU

- Mit aktualisierten Informationen aus dem Landtag -

Der CDU Ortsverein Altenbruch organisierte die sehr gut besuchte (viele Jäger, Schäfer, Landwirte und weitere Interessierte) Informationsveranstaltung (vgl. NEZ Bericht vom 10. Mai). Für mich war es die erste tiefgreifende Veranstaltung zu diesem Thema, denn der Referent MdL Helmut Damman-Tamke began seinen Vortrag in seiner Eigenschaft als Präsident der Landesjägerschaft mit einem rein informativen (rechtlichen) Teil. 

Der Entschliessungsantrag der niedersächsischen CDU Fraktion im Landtag „7 Punkte Plan für einen nachhaltigen Umgang mit dem Wolf“, Drucksache 17/7482 vom Februar 2017, war mir schon vorher bekannt, diesem wurde auch auf unserem Kreisparteitag zugestimmt (vgl. NEZ Bericht vom 27. März). Allerdings kann ich nun den Plan jetzt durch die zusätzlichen Ausführungen und der durchgehenden Argumentationslinie des Referenten umfassender unterstützen.

Die niedersächsische Landesjägerschaft (LJN) ist von der zuständigen Landesbehörde für Naturschutz (NLWKN) basierend auf einer Kooperationsvereinbarung mit dem Wolfsmonitoring betraut (vgl. NEZ Bericht vom 3. Mai) und damit auch zum Schutz des Wolfes beauftragt worden. 

Herr Dammann-Tamke unterstrich die höchste Schutzwürdigkeit des Wolfes, gegeben durch die EU FFH Richtlinie, Anhang IV,  sowie die Verantwortung der LJN die natürliche Rückkehr der Wölfe nach Niedersachsen federführend zu begleiten und zu unterstützen. 

Gemäß der FFH Richtlinie, Artikel 14 treffen die Mitgliedsstaaten, wenn erachtet, notwendige Maßnahmen zur Entnahme, wenn ein günstiger Erhaltungszustand der Wolfspopulation erreicht ist. Das sind nun 3 wesentliche Punkte, die zu klären sind:


1) Was ist ein günstiger Erhaltungszustand ?

Dazu gibt es bei der Weltnaturschutzorganisation IUCN die Rote-Liste Kriterien
(hier die offizielle Eläuterung der Kriterien in deutscher Version):

  • EN = Stark gefährdet (Endangered), d.h. wenn diese Kriterien eingehalten werden,
    kann man von einer „kleinsten überlebensfähigen Population“ sprechen

  • VU = Verletzlich (Vulurable), d.h. wenn diese Kriterien eingehalten werden,
    kann man von einer „ungefährdeten Population“ sprechen

Für die Kriterien in Bezug auf die Anzahl der Tiere (Kriterium D) im zeugungsfähigen Alter innerhalb einer Population gelten demnach für

  • die „kleinste überlebensfähige Population“:
    mindestens 250 Tiere (IUCN Kriterium EN-D)

  • die „ungefährdete Population“:
    mindestens 1000 Tiere (IUCN Kriterium VU-D)

Für die Kriterien in Bezug auf das Aussterisiko (Kriterium E) gelten demnach für 

  • die „kleinste überlebensfähige Population“: 
    kleiner 20% in 20 Jahren oder 5. Generation (IUCN Kriterium EN-E)
  • die „ungefährdete Population“:
    kleiner 10% in 100 Jahren (IUCN Kriterium VU-E)

Die Einschätzung des BMUD zu den Kriterien A-E ist in diesem Bericht, Kapitel 4.4 zu finden.


2) Was ist eine Population ?

Aus dem Bericht des BMUB, Kapitel 4.2 : „Damit wird in der Regel eine Gruppe von Individuen derselben Art bezeichnet, die im selben Gebiet leben und sich untereinander fortpflanzen können.“


Mann sieht schon, die ersten beiden Punkte sind nicht präzise in Zahlen zu fassen;

- es läuft letztendlich auf eine Interpretation der Datenlage auf höchsten (politischen) Ebenen hinaus -


Herr Dammann-Tamke zeigte in seinem Vortrag dazu erstmals eine aktuelle Karte mit der Verbreitung des Wolfes in Mitteleuropa und wies auf eine genetisch erwiesene zusammengewachsene Population der Wolfsrudel in Polen und unseren Ländern Sachsen, Brandenburg, Sachsen-Anhalt sowie Niedersachsen hin. Auch ohne Hinzunahme der baltischen Populationen sind die Zahlen zum günstigen Erhaltungszustand bereits erreicht, - diese Sachlage gilt es durch die Verantwortlichen festzustellen.

Nur nach dieser Feststellung ist es überhaupt möglich, überzählige Tiere zu entnehmen und Rudel zu konditionieren (7-Punkte-Plan Punkt 6 und 7). Und dazu sind Obergrenzen der gezählten Rudel mit ihren Individuen auf Länderebene erforderlich (Punkt 3). Unabhängig davon sollten Einzeltiere aus den Rudeln zwecks Monitoring besendert werden (Punkt 4).


3) Wollen wir Bürger eine Wolfspopulation, die über die gesetzlichen Erfordernisse hinausgeht ? - oder - Was bedeutet das für unser Elbe/Weser Gebiet und unsere Börde ?

Natürlich wollen unsere Landwirte, Schäfer und auch viele Bürger den Wolf bei uns nicht haben, gute Gründe dafür gibt es zu Genüge. Die vielen Erläuterungen der Betroffenen auf dieser und anderen Veranstaltungen und auch viele persönliche Gespräche haben es zumindest für mich gezeigt. 

Diese Gründe treffen jedoch auch für andere Regionen zu ...

Andererseits genießt der Wolf den sehr hohen, o.g. erläuterten, gesetzlich verankerten Schutz.

Herr Dammann-Tamke machte deutlich, daß Schutzzäune so gut wie wirkungslos sind, sie werden nachgewiesenermaßen untergraben oder übersprungen (vgl. auch Goldenstedter Wolf, Drucksache 17/4515). Die zur Deichsicherheit notwendige Schafsbeweidung kann nicht gewährleistet werden (Deichschäfer konnten es auf der Veranstaltung eindrucksvoll belegen) und Herdenhunde sind völlig ungeeignet für solche langgestreckten schmale Gebiete.

Der unverhandelbare Deichschutz ist neben dem hohen Weidetierbesatz in unserer Region das Hauptargument dafür, den Wolf aus unserer Region zu vergrämen. Dafür wird ein Sicherheitsabstand der Rudel von 70km zum Elbdeich (Tagesmarschdistanz) angesetzt.

Ob, wann, und wie eine Vergrämung des bei  uns ortsansässigen „Lamstedter Rudels“ im Detail geschieht, ist Sache unserer verantwortlichen Landesregierung und sicher auch abhängig von der offiziellen Feststellung des günstigen Erhaltungszustands. Herr Dammann-Tamke merkte dazu an, daß aufgrund der Koalitionsdisziplin bedingt durch die  1-Stimmen-Mehrheit der SPD/Grünen im Landtag bis zur nächsten Landtagswahl an keine Änderungen zu denken wäre. 



Weitergehende Informationen:

Lesenswerter und umfangreicher Bericht vom Bundesministerium für Umwelt und Naturschutz (BMUB)/September 2015

Aktuelle Berichte aus dem Landtag vom 29.Mai, Ausschuss für Umwelt, Energie und Klimaschutz:
Zitat:
Der Ausschuss setzte die Beratung der Anträge fort und bat das BMUB um eine Unterrichtung
(nach Möglichkeit am 28. August 2017) zu den Themenkomplexen „Aufnahme des Wolfs in das Jagdrecht“ und „Erreichung eines sicheren Erhaltungszustands in der Wolfspopulation“.


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