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Autor : CDU/CSU Bundestagsfraktion

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Weihnachten ist eine Zeit der Besinnung, auch der Rückbesinnung auf christliche Wurzeln und Werte. Wir sprachen mit Heribert Hirte über das Weihnachtsevangelium, das Christentum und die Religionsfreiheit. 

Herr Hirte, was bedeutet für Sie die Weihnachtsgeschichte?

Das Weihnachtsevangelium gehört für mich zur Weihnachtszeit unbedingt dazu. Dutzende Male habe ich es gehört und jedes Jahr meinen Kindern vorgelesen. Es ist eine Geschichte von Flucht und Vertreibung, von Nächstenliebe und Hoffnung. Einem historischen Faktencheck hält die Geschichte nicht stand, das wissen wir inzwischen, aber ich halte die Geschichte über die Geburt Jesu trotzdem für wichtig. Denn allein die Art und Weise, wie sie erzählt wird, zeigt, dass Jesus zu Lebzeiten eine Ausnahmeerscheinung war. Aus Sicht des Evangelisten Lukas musste deshalb selbst die Geburt Jesu schon besonders gewesen sein. Wir feiern an Weihnachten ja nicht die Geburt irgendeines Kindes. Es ist die Geburt Jesu, die Menschwerdung der Liebe und der Weisheit Gottes, die wir feiern. Sozusagen die Geburt des Christentums.

Weihnachtsgeschichte
Bild: pa/ZB

An Weihnachten sind die Kirchen voll, an gewöhnlichen Sonntagen predigen die Pfarrer vor leeren Bänken. Was – glauben Sie – vermissen Christen an ihrer Religion?

Vielleicht bekommen die Menschen Weihnachten in der Kirche etwas geschenkt, was weniger mit Religion als mit Nostalgie zu tun hat. Ich glaube jedenfalls nicht, dass das Problem im Kern der Religion liegt, sondern in ihrer Vermittlung. Menschen suchen nach wie vor nach Antworten und manche finden diese nicht mehr in der Kirche, sondern beim Therapeuten oder gar „Geistheiler“. Vielleicht lohnt sich für die deutschen Kirchen mal ein Blick in andere Teile der Welt, in denen das Christentum wächst.
Viel­fach wird kritisiert, dass die Kirche, besonders in der Flüchtlingskrise, zu po­litisch sei. Meiner Meinung nach hat Kirche aber durchaus das Recht und die Pflicht, allgemeine gesellschafts­politi­sche Fragen zu kommentieren. Das muss dann aber konsequent sein: Kir­chen­asyl für einige Monate zu gewähren, um den Staat anschließend für Jahre in die finanzielle Verantwortung zu zwingen, passt nicht zusam­men.

Weihmachtsgottesdienst
Bild:pa/ZB

Die christlichen Kirchen in Deutschland leiden weiter an Mitgliederschwund. Ist der Islam eine Konkurrenz für das Christentum?

„Konkurrenz“ ist in diesem Zusammenhang der falsche Begriff, finde ich. Das ist doch kein Wettkampf. Diejenigen, die aus der Kirche austreten, konvertieren ja nicht alle automatisch zum Islam. Eher verstehen sie sich dann als Atheisten oder Agnostiker. Aber auch die Abkehr von Religion ist eben Teil der Religionsfreiheit und verdient es, respektiert zu werden. Im Übrigen höre ich vermehrt von Muslimen, die zum Christentum konvertieren – und das auch in den islamischen Ländern. Teilweise berichten sie von massiver Diskriminierung seitens der muslimischen Gesellschaft. Ich erwarte da von muslimischen Verbänden ein klareres Bekenntnis für die Religionsfreiheit, die sowohl Konversion wie auch Abwendung von Religion beinhaltet.

Kirche
Bild: pa/dpa

Wie stehen Sie zu der Frage einer Einführung muslimischer Feiertage?

Dass wir in Deutschland christliche Feste als staatliche Feiertage gemeinsam begehen, ist Ausdruck der christlich-jüdischen Prägung unserer Gesellschaft. Es ist zwar nicht so, dass diese Tatsache durch die Einführung eines muslimischen Feiertags in Frage gestellt werden würde – das geschieht eher dadurch, dass immer weniger Menschen etwas mit christlichen Feiertagen anfangen können; aber ehrlich gesagt, sehe ich noch nicht, welchen Nutzen ein muslimischer Feiertag wirklich haben sollte. Denn schon jetzt ist es für Muslime kein Problem, am Zuckerfest etwa von der Schule oder vom Arbeits­platz beurlaubt zu werden. Ich glaube auch nicht, dass es einen staatlichen Feiertag braucht, um den Muslimen zu signalisieren, dass sie Teil unserer Gesellschaft sind. Kritik an der Diskussion als solche scheint mir aber wenig zielführend. Wir müssen laut über solche Sachen nachdenken dürfen.

Luther
Bild: pa/ Winfried Rothermel

Auch das Reformationsjubiläum diente nicht zuletzt dem Zweck, die Menschen wieder für die Kirche zu begeistern. Welche Bilanz des Luther-Jahres ziehen Sie?

Gefallen hat mir die Einbindung der katholischen Kirche und hier ganz besonders die Dialogpredigt der katholischen und evangelischen Prälaten Karl Jüsten und Martin Dutzmann vor uns Abgeordneten. Christen stehen in einigen Teilen der Welt unter großem Druck. Wenn sich diese Situation verbessern soll, müssen die Kirchen mit einer Stimme sprechen. Sowohl die evangelische als auch die katholische Kirche haben das Reformationsjahr zum Anlass genommen, ernsthafter auf ihr Verhältnis untereinander zu schauen - und das ist doch erst einmal begrüßenswert. Wie wir wissen, war es nicht Luthers Ziel, die Kirche zu spalten. Allerdings wissen wir auch, dass erst durch die schmerzhafte Reformation die Freiheit des Glaubens als Menschenrecht anerkannt werden konnte. Ob durch das Jubiläum künftig wieder mehr Menschen in die Kirche gehen werden, wird sich zeigen.

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